Dezember 2021

Der Endorfer 29 Karten gespielt werden. In manchen Gegenden des Ostalpenraums wurden diese Vorschriften von Perchten überwacht. Drudnhax und Allelujawasser Franziska Hager, unsere verehrte Heimatschriftstellerin, schreibt in ihrem Buch „Drudnhax und Allelujawasser“ von der „Zwölferzeit“ Folgendes: Die „Zwölfen“, das war die Zeit zwischen den Jahren. Es war die friedfertigste Zeit im Jahr. In diesen „Weihe-Nächten“ ruhte jede Fehde, durfte kein Gericht gehalten werden. Wer an die Tür klopfte, dem wurde geöffnet, weil an diesen Tagen die Himmlischen unter den Irdischen weilten. Das war im Sturm zu hören und in der Einbildung wahrnehmbar. Durch die Nacht stürmte am Himmel das „wuide Gjaid, also die „ Wilde Jagd“. Bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts ist im Chiemgau und im Inntal dieser heidnische Glaube, entstammt aus vorchristlicher Zeit, nachweisbar. Das „wilde Heer“ wurde von einem Schimmel angeführt, den Wotan ritt, gefolgt vom Herrn der Toten. Mit ihm waren auch Trossen von Unholden und Nachtalben. Unter ihnen der „wilde Jäger“, den die christliche Lehre verdammt hatte in alle Ewigkeit, weil er an einem Freitag, dem Todestag Christi, gejagt hatte. Eine Meute kläffender Hunde hetzte die „armen Seelen“ über Stock und Stein. Mit ihnen war das Herr der verfallenen Selbstmörder. Die Naturgeister wurden solange durch den Wald gejagt, bis sie einen rettenden Baumstock fanden, in den ein Holzknecht drei Kreuze gehackt hatte, so dass die „Drud“ nicht aufhocken konnte. Die hohe Zeit der wilden Jagd begann nach dem Gebetläuten. Noch in meiner Kindheit hatten wir unbedingt vor dem Gebetläuten am Abend zuhause zu sein, damit uns der „Gebetläuter“ nicht erwischt, eine ominöse Gestalt, die uns immer unheimlich war. Eine willkommene Erziehungshilfe für unsere Eltern war der „Bettläuter“ allemal. Seit es die elektrischen Geläute gibt, musste man sich halt wieder was Neues einfallen lassen. Kaum vorstellbar ist es für uns aufgeklärte Menschen, so Franziska Hager weiter, dass noch vor einigen Generationen jede Tätigkeit, die eine Drehbewegung voraussetzte, in der Zeit der Raunächte verboten war. Unser heutiges Leben würde stillstehen. Kein Autorad dürfte sich drehen und in Werkstatt, Küche, Fabrik könnte kein elektrisches Gerät laufen. Aber auch eine Kriegsmaschinerie, wie wir sie jetzt wieder erleben, wäre (hoffentlich) zum Stillstand gekommen. Nur glaube ich, in diesem Fall hätten sich die Menschen damals wie heute schon einen plausiblen Ausnahmegrund einfallen lassen. Vor ca. 100 Jahren trugen die Leute im Chiemgau noch handgesponnene Kleidung. Die Spinnräder waren noch in Betrieb, aber zur „Zwölfenzeit“ bewegten sich weder Spulen noch Spindel. Das Spinnrad wanderte auf den Dachboden und wurde dort verhängt. Vor einigen Tagen kam ich mit ein paar Frauen zum „Ratschen“ über die Raunachtszeit. Übereinstimmend versicherten sie mir, dass sie in der „Zwölferzeit“ keine Wäsche aufhängen würden. So hatten sie es von der Mutter und Groß- bzw. Urgroßmutter erfahren. Warum, das wussten sie so genau auch nicht zu sagen. Franziska Hager gibt in ihrem Buch die Antwort Es war früher so, dass man glaubte, dass in die am Zaun aufgehängte Wäsche die Frau „Percht“ schlüpften und dadurch einen aus der Familie im selben Jahr ins Seelenreich holen würde. Keiner wusste was „Genaueres“. Weil das seit vielen Jahrhunderten so war, hat sowohl die bäuerliche Welt als auch die aufgeklärte Gesellschaft nach immer neuen „Gegenzaubern“ gesucht. Lärmen und Schießen war die eine Art, gruselige Masken aufzusetzen und sich große Schellen umzuhängen eine andere. Die Christen setzten dem Drudenfuß, also dem Pentagramm, das Kreuzzeichen und Segensformeln entgegen. Wie gesagt, der Mann auf dem Land verwendete nicht selten beides nebeneinander um sich und sein Eigentum zu schützen. Auf dem First thront das Kreuz, während die Dachstützen und Pfettenbretter als Drachen und Schlangen ausgebildet sind. Zur Sicherheit trug die Stalltür das Pentagramm, also den „Drudenfuß“, das „wirkungsvollste“ Abwehrmittel gegen böse Geister. Das hinderte nicht, wenn im Stall ein Kalb auf die Welt kam, dieses mit Weihwasser zu besprengen. Überhaupt das Aussegnen der Höfe und Häuser war allen Generationen sehr wichtig. Meine beiden Brüder und ich, wir freuten uns jedes Jahr an Heilig Drei König darauf, durchs Haus zu ziehen, vorneweg der Großvater mit einer Kehrschaufel, auf der glühende Kohlen lagen. Dort hinein wurde Weihrauch gestreut und tagelang roch es im ganzen Haus noch danach. Dem Großvater folgten die Großmutter und Mutter. Erstere behielt es sich vor, die Weihrauchportion je nach Funktion des gerade betretenen Zimmers „einzuteilen“. Mutter beschrieb die Türen mit ge- © fotolia Fachtierarztpraxis Amerang Dr. Uwe Urban Dr. Assunta Toggenburg / TÄ Johanna Illi Fachtierarzt für Zahnheilkunde der Kleintiere, GPcert Ophthalmologie, digitales Röntgen, Ultraschall, Endoskopie – Ausstattung im Kleintierklinikstandard, Chirurgie und Dermatologie. © Paul Kluge GmbH Fachtierarztpraxis Amerang Bergweg 47 83123 Amerang Tel. 08075-1323 www.tierarztpraxen-chiemgau.de Sprechstunden: Mo– Fr 8–10 / Mo, Di, Do 17–18 / Mi, Fr 15–16 / Sa 9–11 (Notfallsprechstunde) Um Terminvereinbarung wird gebeten – Terminvereinbarung Mo–Fr 8–18 möglich. Notfälle nach Vereinbarung. Liebe Patientenbesitzer, zu Ihrem und unserem Schutz gilt auch in unserer Praxis die 3G-Regel: • getestet • geimpft oder • genesen. Sollten Sie keinen Nachweis erbringen können, wird Ihr Tier am Eingang entgegengenommen und alle Behandlungen sowie Befunde telefonisch besprochen. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Wir wünschen allen Kunden ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Ihr Team der Tierarztpraxis Dr. Uwe Urban weihter Kreide und trug den Weihwasserbehälter. Wir Buben tauchten darin unsere „Buchsbüschl“ und spritzten, was das Zeug hielt in allen Ecken und Winkeln. Verschwiegen sei nicht, dass ein jeder von uns ganz unabsichtlich versuchte, mit ein paar Tropfen die Schaufel mit den glühenden Kohlen zu treffen, weil das so schön zischte und zusätzliche Rauchschwaden erzeugte. In diesem Fall konnte man im „Gegrüßet seist Du, Maria“ unserer Großmutter ein Wort hören, das darin gewiss nichts zu suchen hatte. Wir waren halt Buben… und schön war‘s schon, wenn ich so zurückdenke. Manchmal denke ich, dass unsere heutige Zeit doch sehr viel verloren hat, schade. Aber sie hat auch viel Gutes. Man muss sich nur darum bemühen. Nun aber zurück zu den Raunächten und ihrem Brauchtum. Wo der Name herkommt, weiß man auch heute noch nicht genau. Die einen sagen, es hieße „Rauchnächte“ wegen des Räucherns am Weihnachts-, Neujahrs und Dreikönigstag. Die anderen führen es auf das Wort „Rauh“, mundartlich „rauch“ als der Bezeichnung des Wilden, Haarigen, mit einem Fell Bekleideten zurück. Der Name Raunächte ist dort besonders verbreitet, wo auch der Rauhwurzl, Rauwuckl u. ä., ein rauer, haariger, wilder Dämon von unbestimmter Gestalt als Nachtgeist und Kinderschreck bekannt ist. Das sagt Dr. Reinhard Haller, Dr. phil., der sich mit der Raunacht und allem Dazugehörigen eingehend befasst hat. Der ganze Bereich ist so vielgestaltig, dass man Bücher darüber schreiben könnte, ja geschrieben hat. Das ist der Wunsch von uns Menschen, dass es uns gut geht und dass wir von allem Unheil verschont bleiben.

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